Zu den ganz bekannten Namen im europäischen Clubfussball gehört der Qarabag FK nicht. Das dürfte aber auch damit zu tun haben, dass die Leistungen des Clubs aus Aserbaidschan zu wenig Beachtung finden in der allgemeinen Wahrnehmung, denn in den letzten Jahren hat sich der Verein zu einem Stammgast in den Gruppenphasen der europäischen Clubwettbewerbe gemausert. Zum achten Mal in Folge bestreitet er eine solche in diesem Herbst. Der Höhepunkt bildete dabei sicherlich die Teilnahme an der UEFA Champions League in der Saison 2017/2018 – als erstes Team aus Aserbaidschan. In einer Gruppe mit der AS Roma, dem Chelsea FC und Atlético Madrid belegte man zwar den letzten Platz, aber luchste den Spaniern in den Direktduellen jeweils einen Punkt ab.
Auch in der UEFA Europa League kam der Qarabag FK nie über die Gruppenphase hinaus. Die Konstanz, mit der man sich für diese zuletzt qualifizierte, ist aber beeindruckend und liess den Club bis auf Rang 70 des UEFA Club-Fünfjahreswertung vorrücken. Qarabag ist damit der klar am besten rangierte Gegner des FCB (Platz 28) in der Gruppe H der Conference League.
Eine ebenso bemerkenswerte Kontinuität legte der Verein in der Meisterschaft an den Tag. Sieben Meistertitel sicherte sich Qarabag in Folge, ehe sich im vergangenen Jahr der Neftci PFK mit zwei Punkten Vorsprung den Titel sicherte. Die Konstante im Verein ist dabei Trainer Qurban Qurbanov, der seit 2008 an der Seitenlinie steht, aber auch die Spieler Gara Garayev, Badavi Hüseynov, Maksim Medvedev und Richard Almeida waren bereits beim ersten Titel dieser Serie im Jahr 2014 dabei. Kein Wunder spricht Patrick Rahmen also von einem erfahrenen Gegner, Garayev könnte am Donnerstag sein 100. Europacupspiel bestreiten, Medvedev hat bereits 106 auf dem Buckel.
Frei hat frei bekommen
Bei Rotblau wird mit Fabian Frei jener Spieler mit den zweitmeisten internationalen Clubpartien hingegen fehlen. Man entschied sich ihm frei zu geben, da er mit der Nationalmannschaft im Einsatz gestanden ist und praktisch keine Pause hatte seit dem intensiven Beginn der Saison Ende Juli. Ebenfalls nicht mit dabei sind die verletzten Andrea Padula, Jordi Quintillà, Edon Zhegrova, Sebastiano Esposito, Gonçalo Cardoso sowie Afimico Pululu. Yacouba Nasser Djiga hat zwar, wie in Lugano, die Reise mitgemacht, ist aber rekonvaleszent. Rahmen erwartet ein Spiel auf Augenhöhe: «Unser Gegner hat sehr gute spielerische Mittel, wenn man ihm Raum lässt. Wir werden daher zeitweise hoch pressen müssen und aggressiv gegen den Ball arbeiten. Tempowechsel und die Überzeugung auf den letzten Metern haben mir in Lugano ein wenig gefehlt in unserem Spiel. Das müssen wir in Baku besser machen.»
In die aktuelle Saison ist Qarabag sehr konstant mit guten Resultaten gestartet: In den sechs Qualifikationsspielen zur Conference League gewannen die Aserbaidschaner viermal und spielten zweimal unentschieden und in den ersten drei Ligaspielen sammelte man auch bereits sieben Punkte. Zuletzt gab es einen 2:1-Sieg gegen den aktuellen Meister Neftci PFK. Der FCB wird es also mit einem formstarken und wohl auch eingespielten Team zu tun bekommen in diesem Auftakt zur Gruppenphase.
Rückkehr nach Baku nach über zwölf Jahren
Die rund 3'500 Kilometer Reise nach Baku ans Kaspische Meer legte der FCB am Mittwoch zurück. Neben dem längeren Flug muss das Team von Patrick Rahmen auch noch mit einem Zeitunterschied von zwei Stunden klarkommen, darf dafür auch noch ein paar Tage länger den Sommer geniessen: Für die kommenden Tage sind Temperaturen um die 30 Grad Celsius vorausgesagt.
Zum ersten und letzten Mal war Rotblau vor rund zwölf Jahren in Baku und gewann gegen den FK Baku nach einem Rückstand mit 3:1. Die Erinnerungen an Baku sind für Rotblau also positiv, wobei kein Spieler von damals noch im aktuellen Kader steht. Es gilt also nun die positive Erinnerung an die Millionenstadt am kaspischen Meer aufzufrischen. Ein guter Start in die Gruppenphase würde wohl vieles vereinfachen, auch weil man dann die auf dem Papier schwierigste Aufgabe hinter sich hätte. Dass es keine einfache Aufgabe wird, ist am Palmares des Gegners klar ersichtlich – wenn auch vielleicht nicht beim ersten Blick auf den Namen.