Porträt

Carlos Varela – mit dem Zweihänder für den FC Basel unterwegs

So, 07.06.2026
Torgefährlich, beidfüssig und sehr emotional, so haben die FCB-Anhänger Carlos Varela in Erinnerung. Wenn er auf dem Feld war, dann wurde munter gewirbelt. Heute wirkt der ehemalige Fussballprofi als Experte bei Blue Sport. Hier ist seine Story.

Wer erinnert sich noch an die Zeiten, als der FCB wegen des Neubaus des Joggeli seine Meisterschafts-, Cup- und UI-Cupspiele auf der Schützenmatte beim Wielandplatz absolvierte? Guy Mathez und Christian Gross waren damals die Trainer, und Carlos Varela war mittendrin in einem mit starken Leuten besetzten Ensemble. Im Lauf seiner langen, 356 Spiele umfassenden Karriere erzielte er 49 Tore und bereitet weitere 55 Treffer vor. Doch erzählen wir immer schön der Reihe nach.

Carlos Varela war ein trickreicher, einsatzfreudiger und torgefährlicher Akteur. Er glaubte auch bei Rückstand immer noch an eine Wende.

Schnell, schneller, am schnellsten. Bei Carlos Varela verlief der fussballerische Aufstieg mit atemberaubender Geschwindigkeit. Seine erste Fussball-Lizenz erhielt er mit 14 Jahren als Spieler des FC City. Als er beim traditionsreichen NLA-Club Servette FC erstmals in der Startformation stand, zählte er 18 Lenze. Wenig später, man schrieb das Jahr 1999, durfte sich Carlos Varela mit den Servettiens über seinen erstmaligen Gewinn der Schweizer Meisterschaft freuen.

Zwei Jahre später holten er und seine Mannschaftskameraden auch den Cup in die Calvinstadt. Die Grenats waren wieder einmal ganz oben angelangt. Für den in Genf aufgewachsenen Carlos Varela mit familiären Wurzeln in A Coruña ging es in der Folge weiterhin vorwärts. Seine Lehre als Elektromonteur schloss er zwar noch ab, aber er wusste schon damals, dass er voll auf die Karte Fussball setzen wollte.

Rytschkow, Veiga, Frick


Beim FC Basel, zu dem er in der Winterpause 1998/1999 transferiert wurde, stiess der junge Mann auf Cracks wie Sascha Rytschkow, Argemiro Veiga und den heutigen Luzern-Trainer Mario Frick. Stefan Huber stand im Tor. Auch die in Basel bestbekannten Mario Cantaluppi, Massimo Ceccaroni & Co. waren präsent.
Carlos Varela gewann zweimal den Schweizer Cup mit dem FCB.

Guy Mathez, der damalige FCB-Trainer hatte mit einigen Akteuren wegen Disziplinlosigkeiten Einzelgespräche zu führen, es war sicher nicht einfach mit dieser Ansammlung von Charakterköpfen. Und dann kam eines schönen Tages die Meldung, dass Christian Gross FCB-Trainer wird. Damit und mit dem späteren Umzug ins neue Joggeli änderte sich bei den Baslern vieles. Aber Carlos Varela war weiterhin mit dabei.

Magic Nights in Basel


Im rotblauen Dress des FC Basel durfte Varela so manches Highlight miterleben. 30’510 Zuschauer drängten sich beispielsweise am 28. August 2002 im Joggeli, als der FCB das Rückspiel der Champions League-Qualifikation bestritt. Gegner war ein alter Bekannter von früher, Celtic Glasgow. Das Hinspiel hatten die Schotten mit 3:1 gewonnen, aber im Rückspiel setzten die Bebbi gewaltigen Druck auf. Die Männer aus Glasgow waren vom Basler Sturmlauf völlig überfordert.

Meisterschaft, Schweizer Cup, Champions League, UEFA- und UI-Cup: Carlos Varela bestritt insgesamt 133 Pflichtspiele für den FCB. Hier steht er beim Auswärtsspiel gegen Juventus im Einsatz. 

Christian Giménez und Murat Yakin markierten die Treffer zum vielbejubelten 2:0-Sieg. Dank der damals geltenden Auswärtstorregel stand der FCB in der Champions League, in der Sternen-Liga, von der alle geträumt hatten. Unvergesslich die Szene nach Spielschluss, als Carlos Varela und FCB-Goalgetter Christian Gimenez mit einem getauschten Celtic-Leibchen in der Hand auf dem Joggeli-Rasen einen kleinen Stierkampf inszenierten. Carlos Varela schlug sich in diesem Match bravourös, bevor er in der 61. Minute ausgewechselt wurde.

Cup-Erfolge mit dem FCB


Der quicklebendige Angreifer stand auch bei wichtigen Cuppartien seinen Mann. So vermochte man damals Neuchâtel Xamax im Cupfinal mit 6:0 zurückzubinden. Rossi, Giménez, Hakan Yakin, Chipperfield und Huggel bildeten damals die einer unbesiegbaren Armada gleichende Offensive des FCB. Insgesamt holte Varela vier Trophäen, drei mit dem FC Basel und eine mit Servette Genf.


Carlos Varela als fachkundiger TV-Experte für blue Zoom und blue Sport in der Deutsch- und Westschweiz.

Aber Varelas fussballerisches Engagement konnte ab und an auch überborden. Von gewissen Medienleuten wurde er deshalb als Enfant Terrible sowie als Hitzkopf, Reizfigur, Dampfkochtopf und Provokateur abgestempelt. Fünf Rote und 163 Gelbe Karten fasste der heissblütige Torero in seiner Karriere – 16-mal insgesamt musste er das Spielfeld deswegen vorzeitig verlassen. Auch das ist Varela, aber wir erinnern uns lieber an seine erfolgreichen Sturmläufe im Stil von Frank Ribéry und an die Spässchen, die er mit seinen Mannschaftskameraden in Rotblau gemacht hat.

TV-Experte für Blue Sport


Unterdessen ist Carlos Varela vom knallharten, kompromisslosen Fussballprofi zum kompetenten, seine Worte sorgfältig abwägenden Fussball-TV-Experten avanciert. Für den Sender Blue Sport wirkt er als dossierfester Experte in französischer und deutscher Sprache. Als solcher kommentiert der dreifache Familienvater des öfteren Spiele seiner ehemaligen Teams Basel, YB und Servette. Auch Europacuppartien in sämtlichen Wettbewerben bis und mit Champions League sind da mit dabei.

Text: Lukas Müller
Fotos: Sacha Grossenbacher und Manuel Geisser

Steckbrief:

Name: Varela
Vorname: Carlos
Geburtsdatum: 15.9.1977
Nationalität: Schweizerisch-spanisch
Position: Rechtsaussen, Mittelfeldspieler

Vereine:
Nachwuchs bis 1991: FC City, FC Vernier, Servette FC
Servette FC: 1991-1999
FC Basel 1893: 1999
Servette FC: 1999-2000
FC Basel 1893: 2000-2003
FC Aarau: 2003-2005
BSC Young Boys: 2005-2009
Neuchâtel Xamax: 2009-2010
D.C. United: 2010
Servette FC: 2011
FC Wohlen: 2011
FC Köniz: 2011-2015

Erfolge:
Schweizer Meister mit Servette (1999)
Schweizer Meister mit dem FCB (2002)
Zweimal Cupsieger mit dem FCB (2002 und 2003)
45 Europacupspiele mit dem FCB, YB und Servette

Carlos Varelas Leistungsdaten beim FCB: Hie​r klicken

Bisher porträtierte Spieler:


Pascal Zuberbühler (28. August 2014), Roland Paolucci (3. Oktober 2014), Christian Giménez (29. Dezember 2014), Martin Andermatt (12. Februar 2015), Nestor Subiat (18. März 2015), Erni Maissen (6. Mai 2015), Eigil Nielsen (16. Juli 2015), Maximilian Heidenreich (4. September 2015), André Sitek (13. November 2015), Papa Malick Ba (13. Januar 2016), Bruno Sutter (26. April 2016), Argemiro Veiga (24. Juni 2016), Carlo Porlezza (6. September 2016), Markus Tanner (10. November 2016) und Martin Jeitziner (14. Februar 2017), Attila Sahin (17.April 2017), Hervé Tum (21. Juni 2017), Arthur von Wartburg (7. September 2017), Scott Chipperfield (15. November 2017), Reto Baumgartner (11. Februar 2018), Walter Mundschin ( 29. März 2018), Thomas Hauser (3. Juni 2018), Stefan Huber (8. August 2018), Adrian Knup (13. Oktober 2018), Alex Nyarko (28. Dezember 2018), Helmut Hauser (28. März 2019), Peter Bernauer (9. Juni 2019), Marco Zwyssig (21. August 2019) Lars Olsen (15. Oktober 2019), Ottmar Hitzfeld (16. November 2019), Thimotée Atouba (30. Januar 2020), Franco Costanzo (22. April 2020), Jörg Stohler (16. Juli 2020), Kurt Stettler (9. Oktober 2020), Mike Speidel (29. Dezember 2020), Örjan Berg (15. April 2021), Hakan Yakin (4. Juni 2021), Jean Müller (7. September), Mile Sterjovski (19. November 2021), Behrang Safari (20. Dezember 2021), Peter Marti (16. April 2022), Walter Geisser (6. Juni 2022), Beat Sutter (1. August 2022), René Hasler (27. September 2022), Sèbastien Barberis (7. Dezember 2022), Peter Nadig (31. Dezember 2022), Otto Demarmels (28. März 2023), Mario Frick (18. Juni 2023) Martin Mullis (20. September 2023) und Alfred Lüthi (22. November 2023), Matías Emilio Delgado (27.12.2023), Admir Smajic (26. März 2024), Marek Suchy (13.6.2024), Jean-Pierre Maradan (11. September 2024), Serge Gaisser (19. November 2024), Birkir Bjarnason (29. Dezember 2024), Cetin Güner (8. Juni 2025), Reto Zanni (7. September 2025), Roland Schönenberger (15. November 2025), Samir Tabakovic (28. Dezember 2025) und Paul Fischli (28. März 2026).