Porträt

Ricky van Wolfswinkel – der Topskorer mit Verbindungen in die Schweiz

So, 04.10.2026
Holland ist seine Heimat – doch als Fussballprofi war der Torjäger Ricky van Wolfswinkel mit seiner Familie in der ganzen Welt unterwegs. Egal ob Meisterschaftsspiel, Cupfight oder Europacupmatch, Ricky war immer topmotiviert und gab alles. Unter anderem spielte er auch beim FC Basel 1893. Hier ist seine Geschichte.

Am 24. Mai 2017 rauschte es ganz gehörig im helvetischen Blätterwald. Die Kollegen vom Boulevard nahmen die ganz grossen Buchstaben hervor. «FC Basel greift nach einer holländischen Tor-Granate», hiess es da unter anderem. Wenige Tage später wurde der Vollzug dieses Transfers gemeldet. Kein Geringerer als der weitgereiste Ricky van Wolfswinkel hatte da in Basel angeheuert.

Treffsicherer Torschütze: Ricky van Wolfswinkel.

Bevor er zum FCB wechselte, hatte er unter anderem in den Niederlanden, Portugal und Schottland gespielt. Als Spitze, als agiler, technisch versierter Mann im Sturmzentrum. Vitesse Arnheim hiess seine letzte Station vor Basel. Für die Geel-Swart, die Gelbschwarzen aus der Provinz Gelderland, hatte er in 32 Spielen 20-mal eingenetzt.

Cupsieger mit Arnheim


Der wichtigste Erfolg für ihn war dann allerdings der Sieg im KVNB-Bekerfinal, dem holländischen Cupfinal. In diesem kapitalen Match gegen das favorisierte Team von AZ Alkmaar erzielte Ricky van Wolfswinkel beide Tore zum 2:0-Sieg. Für die Rückfahrt hatten sich die Vereinsbosse einiges einfallen lassen. In ihrem Reisebus mit Aussichtsdeck fuhren sie begleitet von Fans auf Velos von der städtischen Periferie bis ins Zentrum. Die ganze Geschichte wurde direkt am Fernsehen übertragen und war auch in Basel auf BVN zu sehen.

Dieser Erfolg von Geel-Swart (die Clubfarben von Vitesse sind Gelb und Schwarz) in einem Beslissende wedstrijd (Endspiel) auf höchster Ebene war für alle Vitessenaaren, so nennen sich die Anhänger dieses Teams, eine Riesengeschichte. Ganz Arnheim war elektrisiert. In ingesamt 125 Jahren hatten sie nie etwas gewonnen, und jetzt mit Ricky van Wolfswinkel, Milot Rashica, Guram Kashia und Konsorten kam der Moment, wo es endlich-endlich Silberware zu bejubeln gab.



Zuerst der Held in Arnheim, später der Routinier in Basel.

Jeder einzelne Spieler von Vitesse wurde im Stadtzentrum auf die Bühne gebeten und mit Sprechchören abgefeiert. Der letzte in der Reihe war Ricky. Was dann an Begeisterungsstürmen losbrach, als der sympathische, stets bescheidene Matchwinner erschien, das ist heute noch Gegenstand von blumigen Erzählungen. «Ricky-Ricky-Ricky» schrien die zu Tausenden versammelten Fans in die regnerische, eisig kalte Nacht hinaus.

Königstransfer für Basel


Die nächste Station des antrittsschnellen Holländers war Basel. Marco Streller hatte ihn nach Basel geholt. Vitesse Arnheim war Ricky van Wolfswinkels Jugendclub. Via Utrecht und Sporting Lissabon ging es weiter. Schliesslich wurde der Premier League Club Norwich auf ihn aufmerksam. Für 10 Millionen Euro wurde der Wechsel abgewickelt.

In der Liga der besten englischen Fussballer, einem eigentlichen Haifischbecken, lief es ihm dann nicht mehr ganz nach Wunsch. Er wurde zu St-Etienne und Betis Sevilla ausgeliehen. Zum Schluss ist er dann eben beim FC Basel gelandet. Mit der Schweiz verbanden ihn schon vorher zentrale Dinge. So ist er seit 19 Jahren mit Johan Neeskens’ Tochter Bianca verheiratet. Die beiden haben zwei Kinder – Djoy und Lovée.

Rotblauer Cupsieger


Mit Basel durfte der holländische Wirbelwind auch in der Schweiz zum Cupfinal antreten. Seine Mitspieler damals waren Jonas Omlin, Luca Zuffi, Taulant Xhaka, Fabian Frei, Valentin Stocker, Albian Ajeti und Noah Okafor. Im Wankdorf Stadion besiegten die Bebbi bekanntlich den FC Thun mit 2:1. Albian Ajeti, die FCB-Fans werden sich daran erinnern, brillierte nach Spielschluss als einer der beiden rotblauen Torschützen (der andere war Fabian Frei) mit freudigem Gesang – assistiert von der Basler Anhängerschaft.

Ricky van Wolfswinkel mit der Cuptrophäe bei der Feier auf dem Barfüsserplatz im Sommer 2019.

Ricky mit seiner in unzähligen Matches gesammelten Erfahrung fühlte sich bei seinem Kurzeinsatz im Final voll in seinem Element. Leider hatte der Holländer zwischendurch auch mit Verletzungspech zu kämpfen. Einmal zog er sich eine Hirnerschütterung zu. Bei der Kontrolle wurde bei ihm im Hirn ein Aneurysma entdeckt. Dieses konnten die Spezialisten dank modernsten Behandlungsmethoden in den Griff bekommen. Als es nach der gelungenen Operation samt Rehabilitationsphase darum ging, ob Ricky seine Karriere weiterverfolgen könne, erteilten die Ärzte Grünlicht. In seinen 115 Partien für den FC Basel hatte Ricky 38 Tore totalisiert und dazu auch zwölfmal den letzten Torpass gegeben. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

Wechsel nach Holland


In der Folge passierten beim FCB (nicht unter der heutigen Leitung, dies gilt es zu betonen) einige Dinge, welche Ricky van Wolfswinkel zum Nachdenken brachten. Früher getätigte Abmachungen wurden ihm gegenüber nicht eingehalten. Er hatte als Fussballprofi zu dem Zeitpunkt mehrere Optionen. Entweder er bleibt weiter in Basel, oder er startet in der Eredivisie, der höchsten holländischen Liga, nochmals neu durch.

Schliesslich entschloss er sich zu letzterer Möglichkeit. Und das sollte sich für ihn lohnen. Mit den Rotweissen von Twente Enschede erlebte er gegen Ende seiner Aktivzeit im Stadion De Grolsch Veste nochmals einige Highlights. 137 Spiele mit insgesamt 51 Treffern zeugen von seiner ungebrochenen Kampfkraft. Er konnte sich wieder voll in die Schüsse werfen und musste nicht zurückziehen.

Ricky im Kreis seiner Lieben: Bianca, Djoy und Lovée.

Schliesslich entschloss er sich zu letzterer Möglichkeit. Und das sollte sich für ihn lohnen. Mit den Rotweissen von Twente Enschede erlebte er gegen Ende seiner Aktivzeit im Stadion De Grolsch Veste nochmals einige Highlights. 137 Spiele mit insgesamt 51 Treffern zeugen von seiner ungebrochenen Kampfkraft. Er konnte sich wieder voll in die Schüsse werfen und musste nicht zurückziehen.

Dennoch entschloss er sich nach weiteren fünf Saisons dazu seine Kickschuhe an den Nagel zu hängen. Er wollte mit einem guten Gefühl abtreten. Als er nach seinem letzten Spiel als Profi mit seiner Familie auf dem Rasen stand, entrollten die Twente-Anhänger zwei Transparente, die tief blicken lassen. «De Wolf is uitgehuild» stand da zu lesen. Und: «Ricky bedankt».        
Text: Lukas Müller

Fotos: Sacha Grossenbacher, Uwe Zinke und FC Twente Media

Steckbrief

Name: Van Wolfswinkel
Vorname: Ricky
Geburtsdatum: 27. Januar 1989
Nationalität: Niederländisch
Position: Stürmer

Vereine:

Vitesse Arnheim: 2007-2009
FC Utrecht: 2009-2011
Sporting Clube de Portugal: 2011-2013
Norwich City FC: 2013-2016
AS Saint-Étienne (Leihe): 2014-2015 
Real Betis Balompié: 2015-2016
Vitesse Arnheim: 2016-2017
FC Basel 1893: 2017-2021
FC Twente Enschede: 2021-2026

115 Spiele, 38 Tore für den FCB

Erfolge:

  • Cupsieger mit Vitesse Arnheim 2017
  • Cupsieger mit dem FC Basel 2019
  • Verschiedene Einsätze mit der holländischen Elftal, aber auch mit Hollands B-Team sowie mit den U-Teams (U21, U20 und U19).

Ricky van Wolfswinkels Leistungsdaten beim FCB: Hie​r klicken

Bisher porträtierte Spieler:


Pascal Zuberbühler (28. August 2014), Roland Paolucci (3. Oktober 2014), Christian Giménez (29. Dezember 2014), Martin Andermatt (12. Februar 2015), Nestor Subiat (18. März 2015), Erni Maissen (6. Mai 2015), Eigil Nielsen (16. Juli 2015), Maximilian Heidenreich (4. September 2015), André Sitek (13. November 2015), Papa Malick Ba (13. Januar 2016), Bruno Sutter (26. April 2016), Argemiro Veiga (24. Juni 2016), Carlo Porlezza (6. September 2016), Markus Tanner (10. November 2016) und Martin Jeitziner (14. Februar 2017), Attila Sahin (17.April 2017), Hervé Tum (21. Juni 2017), Arthur von Wartburg (7. September 2017), Scott Chipperfield (15. November 2017), Reto Baumgartner (11. Februar 2018), Walter Mundschin ( 29. März 2018), Thomas Hauser (3. Juni 2018), Stefan Huber (8. August 2018), Adrian Knup (13. Oktober 2018), Alex Nyarko (28. Dezember 2018), Helmut Hauser (28. März 2019), Peter Bernauer (9. Juni 2019), Marco Zwyssig (21. August 2019) Lars Olsen (15. Oktober 2019), Ottmar Hitzfeld (16. November 2019), Thimotée Atouba (30. Januar 2020), Franco Costanzo (22. April 2020), Jörg Stohler (16. Juli 2020), Kurt Stettler (9. Oktober 2020), Mike Speidel (29. Dezember 2020), Örjan Berg (15. April 2021), Hakan Yakin (4. Juni 2021), Jean Müller (7. September), Mile Sterjovski (19. November 2021), Behrang Safari (20. Dezember 2021), Peter Marti (16. April 2022), Walter Geisser (6. Juni 2022), Beat Sutter (1. August 2022), René Hasler (27. September 2022), Sèbastien Barberis (7. Dezember 2022), Peter Nadig (31. Dezember 2022), Otto Demarmels (28. März 2023), Mario Frick (18. Juni 2023) Martin Mullis (20. September 2023) und Alfred Lüthi (22. November 2023), Matías Emilio Delgado (27.12.2023), Admir Smajic (26. März 2024), Marek Suchy (13.6.2024), Jean-Pierre Maradan (11. September 2024), Serge Gaisser (19. November 2024), Birkir Bjarnason (29. Dezember 2024), Cetin Güner (8. Juni 2025), Reto Zanni (7. September 2025), Roland Schönenberger (15. November 2025) Samir Tabakovic (28. Dezember 2025) und Paul Fischli (28 März 2026).